Dateien synchronisieren mit/ohne Cloud – Resilio Sync

Uns erreichen häufig Fragen nach geeigneten Lösungen, um die eigenen Daten zwischen mehreren Rechnern synchron zu halten. Es gibt dafür verschiedene Ansätze – zum Beispiel kann man 1. auf ein NAS, also einen Netzwerkspeicher wie zum Beispiel Synology, zurückgreifen, auf den dann mit den entsprechenden Rechnern zentral zugegriffen wird.

 

 

Dann ist es 2. möglich, Daten mittels der Cloud synchron zu halten, zum Beispiel mit Dropbox, Google Drive, OneDrive, iCloud Drive, box etc. Außerdem kann man natürlich auch 3. das gute, alte „Turnschuhnetzwerk“ bedienen, das heißt, Daten werden auf einen mobilen Speicher, eine externe Festplatte oder einen USB-Stick, gezogen und am jeweiligen Rechner dann geöffnet und bearbeitet. 4. kann man noch Ordner am einen Rechner im Netzwerk freigeben und dann über das Netzwerk darauf zugreifen. Es gibt eine fünfte Kategorie, realisiert zum Beispiel durch Bittorrent Sync, die weiter unten besprochen wird.  

Die verschiedenen Ansätze haben sowohl Vor- als auch Nachteile, die wir hier kurz listen:

  1. NAS-Systeme: NAS-Systeme bieten den Vorteil, dass Daten zentral abgelegt und oft auch mittels integriertem RAID-System redundant gesichert werden. Es können nahezu unbegrenzt Benutzer angelegt werden, die, mit verschiedenen Zugriffsrechten versehen, auf Ordner-Freigaben entweder lesend oder schreibend zugreifen können. Diese Freigaben funktionieren auch betriebssystemübergreifend. NAS-Systeme, wie die Synology DS215j, eignen sich für sehr große Dateien, Mediatheken, als Time Machine-Backup und für Archivierungszwecke, da sie sehr große Ausfallsicherheit bieten. Als Nachteile kann man nennen, dass sie relativ langsam sind im Vergleich zu lokal gespeicherten Dateien (abhängig vom verwendeten Netzwerk), dass der Aufwand verhältnismäßig groß ist – es handelt sich schließlich um Server auf Linux-Basis, dass der gleichzeitige Zugriff verschiedener Benutzer Schreibkonflikte hervorrufen kann und nicht zuletzt, dass der Zugriff aus dem Internet etwas schwieriger zu bewerkstelligen ist, als mit Cloud-Diensten. Synology bietet hierfür zwar entsprechende Apps an, dennoch muss erst ein sog. „Dyn-DNS"-Dienst gestartet werden und nicht selten sind die Upload-Geschwindigkeiten des heimischen DSL-Anschlusses unbefriedigend.
  2. Cloud-Speicher: Auf den ersten Blick bieten Cloud-Lösungen einen einfachen Weg, Daten synchron und unterwegs verfügbar zu halten. Alles, was man braucht ist ein Konto beim Anbieter, die Apps und Programme und schon synchronisieren beliebige Ordner über Netzwerkgrenzen hinweg. Die Cloud kümmert sich dabei um Schreibkonflikte, oft gibt es ein Web-Interface, dass auch ohne App zur Verfügung steht und die Dienste funktionieren mit allen Betriebssystemen, sei es Linux oder Windows Phone. Die Dienste kümmern sich um ausreichend Redundanz, sodass die Daten praktisch unzerstörbar auf deren Server liegen und die Downloadgeschwindigkeiten sind meist deutlich besser, als wenn man über das Internet auf die heimische NAS zugreifen würde. Außerdem lassen sich Dateien mit anderen Usern teilen. Nachteile sind der begrenzte Speicherplatz, bzw. die hohen Kosten, will man mehr Cloud-Speicher nutzen. Die Unternehmen sitzen zudem meist in den USA, was bedeutet, dass deren Datenschutzbestimmungen meist nicht dem Sicherheitsbedürfnis deutscher User gerecht werden. Es besteht keine Möglichkeit nur im eigenen LAN, ohne Cloud, zu synchronisieren.
  3. Turnschuhnetzwerk“: Die Vorteile sind offensichtlich – die Daten immer dabei, gesichert auf einem leicht zugänglichen USB-Medium mit guter Geschwindigkeit. Keine Probleme mit Datenschutz, volle Kontrolle über den Zugriff auf die Daten und keine umständliche Installation / Anmeldung bei Internetdiensten. Doch auch diese Lösung bietet Nachteile: Daten sind meist unverschlüsselt auf dem Stick hinterlegt. Die wenigsten Benutzer machen sich die Mühe auf Verschlüsselung, z.B. mittels Truecrypt, derzeit leider obsolet, oder Diskimage-Verschlüsselung mit dem Betriebsystem, zurückzugreifen. Zumal dies dann den Vorteil der Verfügbarkeit der Daten auf allen Betriebsystemen zunichte macht. So sind die Daten bei Verlust des Datenträgers für Fremde frei zugänglich. Ein weiteres Problem neben der Datensicherheit ist die Datensicherung. Das heißt, falls der Datenträgern nicht manuell gesichert wird, gehen die gespeicherten Daten verloren, wenn es zur Beschädigung des Datenträgers kommt. Bearbeitet man die Dateien nicht direkt auf dem Speicherstick, sondern zieht sie auf den Rechner, kann es passieren, dass man mit Duplikaten kämpft und am Ende nicht mehr weiß, welche Version wo gespeichert und die aktuellste ist. Ferner kann die Wahl des Dateisystems eine Hürde darstellen. So lässt sich HFS+, das Mac-Dateisystem, nicht unter Windows und Linux benutzen, umgekehrt stellt NTFS, das Windows-Dateisystem, bei den meisten OS X-Installation ein Problem dar.
  4. Ordnerfreigabe: Im Prinzip ist eine Ordner-Freigabe nichts anderes, als unter 1. beschrieben. Mit allen Vor- und Nachteilen, bis auf die fehlende Redundanz, das heißt, wird der Rechner, der die Daten freigibt nicht gesichert, kann es zum Datenverlust kommen.

Eine fünfte Kategorie bieten Softwarelösungen, die dafür sorgen, dass gesamte Ordner im Netzwerk zwischen mehreren Rechnern synchronisiert werden können. Linux-Benutzer kennen mit Sicherheit „rsync", das auch mit GUI für Windows, Mac und natürlich Linux frei und als Open Source zur verfügung steht. Eine weitere Alternative wäre z.B. „ChronoSync", das kostenpflichtig und mit geschlossenem Quellcode dasselbe bewerkstelligt. ChronoSync mag für Laien etwas einfacher einzurichten sein als diverse rsync-Derivate.

Als eine der besten Lösungen soll hier ein Hybrid aus Cloudspeicher und Netzwerksynchronisierung besprochen werden – BitTorrent Sync (folgend kurz „btsync", mittlerweile „Resilio Sync"). Derzeit befindet sich die Applikation noch in Entwicklung, liegt aber in einer stabilen Beta-Version vor. Btsync wird auf mehreren Rechnern betriebssystemunabhängig installiert, synchronisiert dann beliebige Ordner im lokalen Netzwerk und wahlweise auch über das Internet. Es gibt Apps für das iPhone, Android und Windows Phone. Auch exotischere Betriebssysteme, wie FreeBSD, können als Sync-Client dienen. Und wer will, kann sich die Applikation auch auf dem eigenen Linux-basierten Server und auch z.B. der Synology NAS installieren.

Installation und Inbetriebnahme:

Das Einrichten ist denkbar einfach. Zunächst besorgt man sich unter http://www.getsync.com/intl/de/ die Applikation für das jeweilige Betriebssystem, installiert sie und starte das Programm. Beim Mac erscheint das Programm oben in der Menüleiste. Klickt man auf „BitTorrent Sync öffnen" erscheint zunächst ein relativ leeres Fenster:

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Man kann nun über „Ordner hinzufügen " einen beliebigen Order auf der eigenen Festplatte wählen:

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Anschließend legt man verschiedene Freigabeeinstellungen fest – zum Beispiel kann reguliert werden, wie oft der geteilte Link verwendet werden kann, ob andere User/Rechner bestätigt werden müssen, welche Zugriffsrechte die Freigabe hat und wie oft der Freigabe-Link verwendet werden darf.

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Man sieht auch drei icons, die einem das Verteilen des Links vereinfachen. Das letzte icon bietet zudem die Möglichkeit, einen QR-Code mit der Kamera de iPhones zu scannen und so den freigegeben Ordner schnell in die BitTorrent Sync-App des iPhones einzubinden.

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Hat man den Ordner konfiguriert und freigegeben, kann man anschließend noch weitere Einstellungen für den Ordner festlegen.

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Und hier wird btsync interessant: deaktiviert man „Relayserver", „Trackerserver", „DHT-Netzwerk durchsuchen" und „Vordefinierte Hosts", betreibt man btsync ohne Zugriff auf das Internet – „Lokalnetzwerk durchsuchen" schaut nur im LAN nach sog. „Peers", also Synchronisationspartnern. Reaktiviert man die o.g. Punkte wieder, kann man, sofern ein oder mehrere Rechner laufen, auf diese über das Internet, zum Beispiel mit dem iPad, zugreifen.

„DHT" bedeutet „distributed hash table" – es wird also kein dezidierter Server von Bittorrent.inc zum Auffinden der Synchronisationspartner benutzt, sondern es werden fremde Btsync-Benutzer angefragt, die dann die Synchronisation zwischen den gekoppelten Partnern vermitteln. Die fremden Benutzer kennen dabei weder Inhalt der Dateien, haben keinen Schlüssel, sondern vermitteln nur die IP-Adressen, damit die Synchronisation stattfinden kann. Nähere Informationen findet man auf der Seite des Herstellers und im Forum.

Kommen wir kurz zu den Vorteilen:

  • btsync bietet Benutzern eine einfache Möglichkeit, Ordner im lokalen Netzwerk synchron zu halten, dabei werden Dateikonflikte aufgelöst und man hat kein Problem mit unnötigen Dateiduplikaten oder Versionskontrolle.
  • Praktisch unbegrenzt Speicher, da kein Platz bei auf einem Server gemietet werden muss.
  • Je mehr Rechner denselben Ordner synchronisieren, desto ausfallsicherer wird das System. Das Risiko von Datenverlust wird auf ein Minimum begrenzt, da die Daten an mehreren Orten gleichzeitig vorliegen. Der Ausfall eines „Peers" bedeutet so nicht, dass die Daten verloren sind.
  • Die Synchronisierung kann ordnerspezifisch nur im lokalen Netzwerk oder über das Internet erfolgen.
  • Die Geschwindigkeit der Dateiübertragung hängt von der Geschwindigkeit der Internetverbindung ab – hat man z.B. einen Rechner zuhause und einen Rechner an einem anderen Standort, so werden beide Upload-Geschwindigkeiten addiert.
  • btsync lässt sich z.B. auf einem Raspberry Pi (am einfachsten mittels dieser Anleitung) oder einer Synology NAS installieren, so erhält man ein System, das praktisch immer zur Verfügung steht. Installiert man es auf einem eigenen Linux-Server, so profitiert man zudem noch von schneller Verbindung.
  • Es ist kein Konto bei einem Cloud-Dienst erforderlich – Datenschutzbestimmungen sind irrelevant.

Auch btsync hat Nachteile:

  • Es gibt kein Webinterface à la Dropbox, über das Dateien geladen werden können, das heißt, btsync muss vorher installiert und mittels Schlüssel an das Netzwerk angebunden werden.
  • Die Software ist closed-source, das heißt, der Quellcode kann nicht eingesehen werden und auf etwaige Sicherheitslücken überprüft werden – das trifft übrigens auf alle anderen genannten Clouddienste ebenfalls zu.
  • Daten könnten ausgespäht werden, obwohl die Übertragung verschlüsselt erfolgt (siehe praktisch alle Snowden-Aufdeckungen).

Im Vergleich zu allen anderen Lösungen bietet btsync den Vorteil der Datensicherung, der lokalen Synchronisation, der einfachen Implementierung und nur durch die eigene Festplattengröße begrenztes Speichervolumen. Ist Privatsphäre eine Sorge, sollte auf die Synchronisierung über das Internet verzichtet werden. Mehr Informationen zu potentiellen Risiken finden Sie hier

 

Wir finden, btsync ist eine valide Option für User mit Synchronisationsbedürfnissen. Da es sich um Beta-Software handelt sollten Sie jedoch für Datensicherung mittels Time Machine sorgen.

Benutzer sollten außerdem vorsichtig sein: Wie bei allen Diensten, die Daten über das Internet verteilen, sei es nun ein Cloud-Dienst oder der Zugriff auf die heimische NAS mittels Webinterface oder App – Daten könnten ausgespäht werden oder Hacker (ob NGO oder GO) könnten sich Zugriff auf die Systeme verschaffen. Es ist daher anzuraten, keine sensiblen Daten über das Internet bereit zu stellen – das gilt praktisch für alle genutzten Dienste, Apps und auch E-Mail.